Geschichte der Villa Ecarius

Villa Ecarius
Villa Ecarius

Zeitgeschichte der "Villa Ecarius"

Das Schicksal des roten Backsteingebäudes spiegelt ein Stück Speyerer Stadtgeschichte wider. Die Villa prägt das Gesicht der Bahnhofstraße in Speyer und stellt zugleich ein wichtiges Beispiel der Architektur der "Gründerzeit" dar.

Nach dem Krieg von 1870 und der Gründung des Deutschen Kaiserreiches flossen fünf Milliarden Francs Reparationszahlungen nach Deutschland. Die damit verbundene leichtere Kreditgewährung führte zu einer Vielzahl von Fabrikgründungen.

Die zu Ansehen und Wohlstand gelangten Fabrikbesitzer sowie die vornehmen Bürger wollten diesen Reichtum auch nach außen hin repräsentieren und bauten außerhalb des alten Stadtringes ihre großen Villen, oft mit parkähnlichen Gärten umgeben. Eine der prächtigsten davon ist die "Villa Ecarius".

Im Jahre 1889 erwarb der Ziegeleibesitzer Georg Grund das Bauland zum Preis von 12,- Goldmark pro Quadratmeter vom damaligen Baumeister Friedrich Graf in der heutigen Bahnhofstraße. In den Jahren 1889 bis 1892 ließ er den eklektizistischen* Bau als herrschaftliche Doppelvilla nach den Plänen von Heinrich Jester für seine beiden Töchter Frederike und Christiane sowie deren Ehemänner Franz Kirrmeier und Herrmann Kaiser erbauen.

Das Baumaterial und die Dekorationselemente des repräsentativen Bauwerkes – das größte seiner Art in Speyer - stammten fast ausschließlich aus der Fabrik von Georg Grund.

Das schlossähnliche Gebäude kann auf eine bewegte Geschichte zurückblicken, die im Jahr 1973 beinahe ein unwiderrufliches und unrühmliches Ende gefunden hätte.

In diesem hochherrschaftlichen Haus residierte 1918 ein französischer General, bis es schließlich in den Besitz des Fabrikanten Fritz Ecarius – der der Villa ihren heutigen Namen gab - gelangte.

1945 besetzten Franzosen das gesamte Haus. Die Familie Ecarius, verheiratete Töchter der Kirrmeiers, mußten es sehr schnell verlassen und kehrten später nicht mehr dorthin zurück.

Nachdem die Franzosen das Haus verlassen hatten, vermietete die Erbengemeinschaft das Anwesen an das Sozialgericht, später an die Firma "Rapid-Bau", die den Abriss der Villa forderte, und ein Appartementhaus mit 80 Wohnungen erstellen wollte.

In diesem Zeitraum zerfiel das Gebäude allmählich immer mehr. Obdachlose nisteten sich ein, Schmutz und Brandstellen verwüsteten das Haus und der Park begann zu verwildern. Bereits 1972 erfolgte die Abbruchgenehmigung durch die Stadt Speyer.

Dagegen wehrten sich die Speyerer Bürger vehement, gründeten Bürgerinitiativen, überschwemmten die lokale Presse mit Leserbriefen und traten für den weiteren Erhalt der Villa ein.

Nachdem die Baufirma nach zweijähriger Debatte Konkurs anmelden musste, kam die Villa in die Konkursmasse des Geldgebers, der Kreis- und Stadtsparkasse Speyer.

Ein Architektenwettbewerb sollte nun über die weiteren Nutzungsmöglichkeiten der Villa durch die Sparkasse und damit über das Schicksal des prächtigen Bauwerkes entscheiden. Wieder schien alles auf einen Abriss hinauszulaufen.

Der zunehmende Druck der Öffentlichkeit führte 1977 schließlich dazu, dass der Stadtrat den Beginn von vorbereitenden Untersuchungen zur Sanierung bzw. Renovierung der Villa Ecarius beschloss. Nachdem auch der Finanzierungsplan zusammen mit Bund und Land abgestimmt war, stand dem Erwerb der "roten Villa" durch die Stadt Speyer nichts mehr im Wege.

Durch ein Tauschgeschäft mit der Kreis- und Stadtsparkasse gelangte die Stadt Speyer in den Besitz des Gebäudes und des dazugehörigen Parks. Im Gegenzug wurde der Kreis- und Stadtsparkasse ein Baugelände am heutigen Willy-Brandt-Platz zur Verfügung gestellt. Hier errichtete sie 1983 - 1985 ihre Hauptstelle.

Nach umfangreichen Renovierungs- und Sanierungsarbeiten zogen 1980 die Weiterbildungseinrichtungen der Stadt Speyer (Volkshochschule, Musikschule, Stadtbücherei) in die Villa Ecarius ein.

Quelle:

- Stadtarchiv Speyer;

- Christiane Werner, Altbausanierung zum Wohle der Allgemeinheit am Beispiel der

"Villa Ecarius" in Speyer, Facharbeit 1983.

*Die Architekten der "Gründerzeit" (1860 –1918) versuchten jeweils aus unterschiedlichen Stilrichtungen wie Romanik, Gotik, Barock, Renaissance und Klassizismus die besten Elemente herauszulösen und nach eigenen Ideen zu gestalten. Diese Stilmischung, verbunden mit eigenen Ideen, bezeichnet man in der Kunst als Eklektizismus.


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